Wachenheim

im Zellertal

Gesindebuch

Aus der Ortsgeschichte von Wachenheim 

In der jüngsten Zusammenkunft der Wormser Familienforscher am 29. März 2012 berichtete der ehemaligen Wachenheimer Ortsbürgermeister Wolf-Dieter Egli aus dem Gesindebuch von Wachenheim im Zellertal (1883 bis1915) über die bei Bauern und Handwerkern befristet Beschäftigten, ihre Herkunft, insbesondere aus der Schweiz.
 

In einem Zeitraum von 37 Jahren waren insgesamt 57 Schweizer als Wanderarbeiter in Wachenheim tätig. Überwiegend arbeiteten sie im damaligen größten örtlichen landwirtschaftlichen Betrieb dem Schlossgut Stauffer/Lüll als Viehbetreuer mit den Berufsbezeichnungen Schweizer und Melker, ein kleinerer Teil der „Zeitarbeiter“ in einem Land-und Viehhandelsbetrieb. Und ausschließlich waren es Männer. Sie kamen aus insgesamt 40 Orten, mehrheitlich aus den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Bern, Luzern, Obwalden und Zürich. Ihren Geburtsdaten nach waren sie durchschnittlich 25 ½ Jahre alt und alle kehrten nach 10 Monaten in ihre Heimatbezirke zurück.
 

Aufschlussreich für die Familienforscher waren weitere Informationen über Dienst-kräfte in diesen Jahren in bäuerlichen Betrieben und im örtlichen Handwerk. So fanden viele junge Mädchen und Jungen dort Jahresbeschäftigungen als Dienstmagd, Knecht, Stütze, Köchin und Zimmermädchen, die oftmals mit dem sogenannten „Bündel-schestag“ am 3. Weihnachtstag begannen und ein Jahr danach endeten. 

Viele kamen aus der nahen Provinz Pfalz des Königreiches Bayern. So waren Sembach, Bubenheim, Marnheim, Albisheim, Gauersheim, Neuhemsbach. Sippersfeld und Harxheim die Hauptherkunftsorte. Aus Rheinhessen kamen deutlich weniger Zeitarbeitskräfte, die meisten aus den unmittelbaren Nachbarorten Mölsheim, Monsheim, Dalsheim, Nieder-flörsheim und Pfeddersheim.
 

Dass in Wachenheim auch das Handwerk blühte, zeigen die Einträge im Gesindebuch über Handwerker „auf der Walz“, heutzutage nur noch äußerst selten. Da war ein munteres Gehen und Kommen von Wandergesellen in der „Neumühle“, „das Wandern ist des Müllers Lust“, die noch bis in die 1960er Jahre betrieben wurde, da finden sich fahrende Schmiede- und Schreinergesellen bei den örtlichen Handwerksmeistern ein.

Es fehlte aber auch nicht an wandernden Schuhmacher-, Küfer- und Malergesellen. Zieglergesellen und Backsteinmacher waren zeitweise in damals zwei Wachenheimer Ziegeleibetrieben in Brot und Arbeit. – Im Anschluss an das Referat entwickelte sich noch eine rege Aussprache über das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des ersten Weltkrieges mit seinen sozialen und gesellschaftlichen Problemen. 

Wolf-Dieter Egli 

Wachenheim im Zellertal

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