Wachenheim

im Zellertal

Erinnerung an ermordete Juden 

Gedenkstein in Wachenheim enthüllt 

Die ehemalige jüdische Gemeinde von Wachenheim hat eine jahrhundertelange und bewegte Geschichte, die mit der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten endet. 1942 wurden die letzten sechs jüdischen Bürger von Wachenheim deportiert und ermordet, darunter zwei Kinder im Alter von drei und vier Jahren. Ihre Namen und die Worte „Gedemütigt, Verfolgt, Vertrieben, Ermordet“ stehen auf dem Gedenkstein, der nun auf dem Friedhof enthüllt wurde.

Den musikalischen Rahmen bei der Enthüllung des Gedenksteins gestalteten der Frauenchor „Frohsinn“ und der Liederkranz-Männerchor mit geistlich-spirituellen Liedern. Der katholische Pfarrer Bernhard Eichler sprach ein Gebet, das Evangelische Dekanat war durch Pfarrerin Jutta Herbert vertreten.

Bereits die große Teilnehmerzahl setzte ein deutliches Zeichen. Mehr als 100 Wachenheimer und zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens waren gekommen. Ortschef Dieter Heinz freute sich über den Zuspruch, konstatierte aber: „Dies ist kein Anlass zur Freude, sondern ein Moment des Gedenkens und des Innehaltens. Der Holocaust berührt die Grenze unseres Verstehens.“ Somit sei der von Kathleen Groll aus Bechtheim geschaffene Gedenkstein zugleich auch als Mahnmal zu verstehen. Heinz sagte: „Was während der NS-Zeit geschehen ist, darf sich nie mehr wiederholen. Wir dürfen den Rechtsradikalen keinen Millimeter Platz geben, sondern müssen ihnen Paroli bieten.“

Es folgte ein tief bewegender Moment. Mit Dr. David Kraft (geborener Krautkopf) trat der wohl letzte noch lebende, aus Wachenheim stammende Jude ans Mikrofon. Der promovierte Naturwissenschaftler war mit Frau und Sohn aus den USA ins Zellertal gereist. Dorthin, wo seine Vorfahren über Generationen lebten und zuletzt als Viehhändler arbeiteten. Wirtschaftlich gut gestellte und hoch angesehene Leute – bis die Nazis kamen. Sichtlich gerührt, blickte der 84-Jährige auf seine Jugendzeit in Wachenheim zurück. „Ich habe da gute, aber auch schlechte Erinnerungen“, bekannte David Kraft. Er könne sich noch gut an die Fahrradtouren entlang der Pfrimm erinnern. Sein Vater, der damals Vorsteher der örtlichen Jüdischen Gemeinde und Synagoge gewesen sei, hatte ein Motorrad, mit dem er gerne gefahren wäre. Seine Mutter habe es ihm jedoch verboten mitzufahren, sodass er sich Seifenkisten baute, und zwar mit Spielkameraden, die er anfangs noch hatte. Gegen Ende der 30er Jahre machte der damals junge David aber dann auch andere Erfahrungen. „Ich fürchtete mich manchmal, zur Schule zu gehen, weil man mit Steinen nach uns warf. Zudem hat der Eismann uns jüdischen Kindern kein Eis mehr verkauft“, berichtete Kraft, dessen Familie fortan in ständiger Angst vor Schikanen und Repressalien lebte.

Nachdem 1935 mit der Verabschiedung der „Nürnberger Gesetze“ sich die Lage der Juden in Deutschland noch weiter verschlechtert hatte, ergriff die Familie 1938 die Flucht. Ihr Weg führte sie nach New York. Dass der Kontakt zur früheren Heimat noch besteht, dafür sorgte der frühere Wachenheimer Ortschef Wolf-Dieter Egli, indem er während seiner Amtszeit wiederholt nach New York reiste, um die Familie von David Kraft zu besuchen.

Beim anschließenden Vortrag im Bürgerhaus gab Dr. Gerold Bönnen, der Leiter des Wormser Stadtarchivs, Einblicke in die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Wachenheim. 1534 wurde der erste Wachenheimer Jude urkundlich erwähnt. Zählte die Gemeinde im Jahr 1800 47 jüdische Mitbürger, waren es 1831 sogar 81. Sie betrieben vor allem Waren- und Viehhandel, wie Bönnen berichtete. In der Schmiedgasse hatte sie eine eigene Synagoge sowie ein eigenes Schulhaus und Ritualbad. Klassische jüdische Familienamen im Zellertal seien beispielsweise die Namen Kehr, Krautkopf, Fittler, Löb oder Hausmann gewesen.

Walter Hahn, der Erste Beigeordneter der VG Monsheim, erinnerte an die Wegschau- und Verharmlosungs-Mentalität gegenüber den Verbrechen, die man an den jüdischen Bürgern begangen habe: „Niemand hätte nach dem Krieg sagen dürfen, dass er von nichts gewusst habe.“ David Kraft ergriff dann auch im Bürgerhaus das Wort und merkte dabei an: „Deutschland hat heute eine moralische Einstellung, an der sich viele Länder ein Beispiel nehmen sollten.“ Sorge mache ihm jedoch der weltweit erneut aufkeimende Rassismus und Faschismus. „Wir müssen uns weltweit alle ganz klar gegen diese Hassgruppen positionieren“, betonte David Kraft.

Quelle: Wormser Zeitung vom 13.Juni 2017 

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